< Interview mit Helene Gerber, Tierkommunikatorin
24.01.2001

Vermittlerin zwischen Tier und Mensch

Erschienen in der Pferdewoche am 24.01.2001.


Die Tierkommunikatorin Helen Gerber aus Bern kommuniziert täglich mit zahlreichen Tieren und deren Besitzern. Was in Europa noch wenig verbreitet ist, gehört in den USA längst zum Alltag. Seien es scheinbar unlösbare  Verhaltens- oder Gesundheitsprobleme oder der Wunsch nach einem besseren Verständnis für den eigenen Tlergefährten - Helen Gerber empfängt von den Tieren auf telepathischem Weg Gedanken, Gefühle, Bilder und Farben und übersetzt diese in unsere Sprache.

 

Barbora Fenner

Neugierig blicken mir die Schweizer Warmblutstute Alvara und die Quarter Horse-Stute Sweety über den Zaun entgegen, als ich bei Helen Gerber vorfahre. Alvara ist Helens erstes eigenes Pferd. Eines Tages stand ihr heutiger Lebensgefährte mit der schwierigen Andermatt- Tochter vor der Türe. «Es war eigentlich ganz praktisch», 'erinnert sich' die fröhliche Bernerin, «ich wünschte mir ein eigenes Pferd, und nun musste ich keines suchen». Mit dem Kauf der hübschen braunen Stute änderte sich Helen Gerbers Leben. Alvara war nahezu unreitbar, sie stieg oft, mochte weder Sattel noch Reiter und hätte durchaus auch etwas freundlicher sein dürfen.
Ein Stallwechsel zu Helen nach Hause brachte deutliche Fortschritte: Im täglichen Umgang waren die letzten Probleme beseitigt. Mit dem Reiten aber klappte es nach wie vor nicht optimal. Helen musste sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen: Eine Akupunktur-Behandlung, homöopathische Sitzungen, ein Mass-Sattel, andere Gebisse; kinesiologisehe und osteopathische Behandlungen und Bachblüten brachten im Laufe der Jahre zwar eine schrittweise Besserung, Alvaras Verhalten entsprach aber noch immer nicht den Vorstellungen ihrer Reiterin. Sattel und Gebiss wurden ausgewechselt, Helen besuchte mit Alvara Tellington-Kurse und liess sich
dabei bis zum TTEAMPractitioner ausbilden. Es folgten Kurse in Centered Riding nach Sally Swift, welche ebenfalls grosse Fortschritte brachten.

 

Die Wende


Die entscheidende Wendung zum Guten kam in unerwarteter Form - Helen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die ersten Kurse in telepathischer Kommunikation besucht: Während eine Kurses schilderte Helen den Kursteilnehmern ihre Probleme mit Alvara und sprach all das aus, was sie in den letzten Jahren immer wieder an die Grenze ihres reiterlichen Könnens gebracht hatte. Auf dem Heimweg hörte sie plötzlich, wie Alvara
zu ihr sagte: «Alles was du über mich gesagt hast, ist richtig». Von diesem Moment an ist Alvara nie mehr gestiegen.

 

Ausbildung in Amerika


Ihren ersten Kontakt mit telepathischer Kommunikation hatte Helen vor gilt zwei Jahren. Damals drückte ihr eine Bekannte das Buch «Gespräche mit Tieren» der Amerikanerin Penelope Smith in die Hand. «Als ich das Buch
las, wusste ich, dass sich mein Leben verändern würde», erinnert sich HeLen Gerber. Kurze Zeit später, im September 1998, reiste Helen Gerber nach Kanada, um den Grundkurs und den Aufbaukurs 1 in telepathischer Kommunikation mit Tieren bei Penelope Smith zu besuchen. «Ich hatte nur wenigen Leuten erzählt, warum ich nach Amerika reiste», lacht sie. Nach dem fünftägigen Grund- und Aufbaukurs 1 war Helen bereits in der Lage, mit Tieren telepathisch zu kommunizieren. Im Juli 1999 ging es schon wieder Richtung USA, wo Helen Gerber den Aufbaukurs 2 bei Penelope Smith besuchte. Im November 1999 erweiterte sie ihre Fähigkeiten
im Aufbaukurs 3 für angehende Lehrerinnen, eine weitere Amerikareise stand somit auf dem Programm. Telepathische Kommunikation beruht auf dem Wissen, dass jedem gesprochenen Wort ein Gedanke, eine Idee, ein Bild oder ein Gefühl zugrunde liegt. Diese telepathischen Botschaften «hören» zu können, haben wir im Laufe unserer Entwicklung verloren. In den Kursen können wir lernen, diese verschüttete Fähigkeit wieder zu erlangen. Viele von uns kommunizieren (nicht nur mit ihren Tiergefährten) täglich telepathisch, meistens allerdings ohne sich dessen bewusst zu sein.

 

Alltag einer Tierkommunikatorin


Unterdessen hat sich das Leben der Berner Krankenschwester tatsächlich verändert. Bis Ende des letzten Jahres erfüllte Helen Gerber ein 50 Prozent-Pensum in der Kardiologie des Berner Inselspitals. Ein Grossteil der
verbleibenden Zeit verbrachte sie mit Beratungsgesprächen, welche vorwiegend per Telefon stattfinden. Seit diesem Jahr ist Helen Gerber als erste Schweizerin hauptberuflich als Tier-Kommunikatorin tätig. Sie erteilt neben ihrer Beratungstätigkeit regelmässig Grund- und Aufbaukurse in telepathischer Kommunikation mit Tieren.

Die einzelnen Tiere sind unterschiedlich kommunikationsfreudig. «Hier und da sagen sie mir sehr wenig», berichtet die Tier- Telepathin. Dann nützt auch nachfragen nicht vieL Nicht immer können die Probleme sofort gelöst werden. Die junge Stute Namorin ist ein gutes Beispiel hierfür. Wegen Rückenproblemen konnte das Pferd nicht geritten werden. Die Stute berichtete zwar bereitwillig, wo sie Schmerzen spürte.
Zahlreiche tierärztliche Untersuchungen führten zu keinem Befund. Beim vierten Gespräch befragte Helen Namorin zu ihrer Box, und die Stute übermittelte Helen das Bild eines nassen und kalten Ortes - bei genauerer Untersuchung fand sich eine Wasserader. Die Besitzer von Namorin hatten sich schon fast damit abgefunden, ihre Stute nie mehr reiten zu können. Sie erinnerten sie auch, dass zwei andere Pferde, die vor Namorin in dieser Boxe gestanden hatten, ebenfalls mit Rückenproblemen zu kämpfen gehabt hatten. Namorin bekam eine neue Box und es geht ihr jetzt sehr gut. Oft wünschen die Anrufer Auskunft über die Vergangenheit ihrer Tiere oder sie haben ein altes Tier und stehen möglicherweise vor der Entscheidung, es einschläfern lassen zu müssen. Viele Fragen beziehen sich auch auf den Gesundheitszustand der Tiere. Obwohl die ehemalige Tierpflegerin oft den Schmerz des Tieres spüren kann, betont Helen Gerber ganz klar, dass sie keine Diagnostikerin ist und auch nicht den Tierarzt ersetzt oder sich in eine Behandlung einmischt. So hört man die Bernerin oft Adressen von Personen vermitteln, die allenfalls weiterhelfen können, so zum Beispiel von Tierkliniken, Tierärzten, Osteopathen, Akupunkteuren oder Homöopathen. Der betreffende Tierhalter muss schliesslieh selber entscheiden, welchen Weg er einschlagen will.

 

Besseres Verständnis für unsere Tiere


Wer mit Helen Gerber Kontakt aufnehmen will, braucht in erster Linie viel Geduld. Das Telefon in Oberbottigen ist meistens besetzt, denn oft spricht die Tier-Telepathin mit der sympathischen Stimme mit den Tieren interessierter Menschen, insbesondere mit Pferden, Hunden und Katzen. Um mit einem Tier Kontakt aufnehmen zu können. muss Helen Gerber den Namen, die Farbe, das Alter und die Art (und Rasse) des Tieres wissen. Die Anworten der Tiere empfängt Helen Gerber telepathisch in Form von Bildern, Gedanken, Gefühlen und Farben. Erfahrungsgemäss reden die Tiere nicht einfach wahllos drauflos, sie antworten meistens. nur auf die gestellten Fragen, ganz im Gegensatz zu deren Besitzern, die häufig viel zu viel reden, statt zur Abwechslung einmal einfach zuzuhören. Und so kommt man zu einem Termin: Sie vereinbaren telefonisch einen Termin mit Frau Gerber. Diese Beratung dauert 15 bis 30 Minuten. Das Tier muss während des Gesprächs nicht im Raum anwesend sein. Bei der Vereinbarung des Termins werden Sie gebeten, einen Fragenkatalog aufzustellen, damit sie ihre Fragen effizient stellen können.

Helen Gerber sieht sich als Übersetzerin und Vermittlerin zwischen Tier und Mensch. Ihre Arbeit soll als Unterstützung in einem Entwicklungsprozess verstanden werden, der Tier und Mensch einander näher bringt.  Wenn wir Menschen lernen, hellhöriger zu werden, fallen einige Verständigungsprobleme von selbst weg. Und der eine oder andere wird vielleicht erfahren dürfen, dass er plötzlich ein noch tieferes und innigeres Verhältnis zu seinem Tiergefährten hat. Ob mit oder ohne Telepathie - die wichtigsten Grundbedürfnisse des Pferdes (artgerechte Haltung, ausgewogene Ernährung, etc.) müssen wir zu erfüllen bereit sein, wenn wir ein tieferes Verständnis und eine bessere Kommunikation anstreben. Ebenfalls klar ist, dass 'sich Probleme, welche ihre Ursache in mangelnden Reitkenntnissen und unpassendem Sattelzeug haben, nicht beheben lassen, in dem man mit dem Pferd spricht. Es kann schon mal vorkommen, dass sich ein Tierhalter von seinem Tier die eigene Unzulänglichkeit vor Augen führen lassen muss. Umdenken aber müssen in erster Linie wir
Menschen, und nicht etwa die Tiere


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