< Sprachrohr der Tiere
23.05.2000

Erzähl' uns mehr vom Pferd!

Erschienen in der Südwest-Presse am 23.05.2000.


Die Schweizerin Helen Gerber kann: via Telepathie hören, was "Tiere sagen. Die Frau hat eine Vollmeise - denken manche. Andere überlegen: Man hat schon Pferde kotzen sehen, direkt vor der Apotheke. In Ulm hörten sich 50 Menschen an, was die Pferdeflüsterin zu sagen hat.

 

Der rationale Mensch sitit hoch zu Ross und denkt: "Tiere sollen reden können? Mit uns? Da lachen doch die Hühner!" Lachen also doch, aber denken und sprechen? Zu einem Vortrag mit dem Titel "Telepathische
Kommunikation mit Tieren" kommt doch kein Schwein. Weit gefehlt. Rund 50 Tierliebhaber aus der Region ließen sich von keinen zehn Pferden davon abhalten, den Vortrag von Helen Gerber aus Bern, Expertin im Gedankenlesen, im Buchladen Eichhorn anzuhören, Aus den Boxen einer Stereoanlage ertönen Delphinstimmen, die noch keiner der Zuhörer versteht.
Aber wenn sie tags darauf das 230 Mark teure, ganztägige Seminar bei
Helen Gerber mitgemacht haben,wissen sie vielleicht, wo 'der Hase lang läuft.
Derweil kriegen schon am Vortragsabend viele der Zuhörer, vorwiegend
Zuhörerinnen. unter denen auch ein Mischlingshund und ein echtes Eichhörnchen weilen, eine Gänsehaut.
'Die Referentin hatte schon als Kind einen Narren an Tieren gefressen.
Ihr größter Wunsch: mit ihnen reden. Als sie in den USAeinen Kurs" bei der bekanntesten Expertin auf diesem Gebiet belegt hatte (,,3000 Mark, um auf einem Hühnerhof zu sitzen - ich musste verrückt sein"), versuchte sie.das Gelernte umzusetzen. Des Nachbars Kater musste dran glauben: Erst habe sie ihn gestreichelt, dann per Gedankenübertragung (Telepathie) "gefragt, wie es ihm geht. Der Kater sei erschrocken davon gelaufen, um später zurückzukehren mit dem Vorwurf.i.warum ich ihn nicht gewarnt hätte, dass ich mit ihm sprechen kann". Gerbers Botschaft: Tiere warten nur darauf, dass Menschen mit ihnen reden. Sie haben ihnen viel zu sagen. Wie funktioniert das, kann das jeder lernen, wollen die Zuhörer verständlicherweise wissen. Eine Seniorin berichtet von ihren beiden Katzen. Die ältere sei tierisch eifersüchtig auf die jüngere, weshalb sie kürzlich sogar abgehauen sei. Also
habe sie gebetet, dass die Katze wieder heimkommen möge, und dabei ganz fest andas geliebte Haustier gedacht und tatsächlich: In der selben Nacht seit es nach Hause gekommen. Das Eichhörnchen, das im Schoß einer Tierpflegerin sitzt, spitzt die Ohren. Die Nachbarin wertet das als ein Zeichen.
Der Seniorin liegt ein weiteres, noch kurioseres Erlebnis, das sie mit einer Meise hatte, auf der Zunge, beißt sich aber aus Scham auf die selbe. Die Frau, die angeblich mit Tieren sprechen kann, ermutigt sle: "Man braucht sich für nichts zu schämen. Jedes Kind kann telepathisch kommunizieren, bis es
ihm die Eltern austreiben." Die Kunst sei den Kopf frei von allen Gedanken
zu halten.


Füße auf den Boden


Eine Übung zur, Einstimmung: Füße auf den Boden legen, an das Tier denken, tief einatmen und beim Ausatmen die Luft durch die Füße in die Erde strömen lassen. Und? Na, ja. Wie weiß jemand überhaupt, ob das, was er als vermeintliche Antwort vom Tier erhält, nicht nur die eigenen Gedanken sind, lautet ein Einwand. "Ganz einfach: Wenn man sich im Kopf eine Frage ausdenkt, muss man sich auch eine Antwort dazu erst zurechtlegen. Das Tier dagegen antwortet blitzschnell." Das funktioniere auch mit einem toten Tier.
"Ich muss nur wissen, wie es aussieht und wie es heißt", erklärt Gerber.
Als eine Frau wissen will, was ihr Pferd ihr sagen möchte, wenn es sie in den Arm zwickt, probiert es die Expertin mit Telepathie, dem Fern-Fühlen: "Es hat Ihnen viel zu erzählen, ist ein lustiges Wesen. Mit dem werden sie Spaß haben, aber es ist auch ein strenger Lehrer. Und aus den Gedanken des Publikums ist zu lesen wie in einem offenen Buch: "Erzähl uns mehr vom
Pferd!"