01.04.1999

Die Pferdeflüsterin

Erschienen im Berner Bär am 01.04.1999.


Wer kennt ihn nicht- Kater Garfield – den Comicsheld. Er erfreut groß und klein mit seinen Scherzen, Fresseskapaden und witzigen Gedanken. Doch klappt letzteres auch in der realen Welt? Können wir die Gedanken von unseren tierischen Hausgenossen lesen?

 

Ja! Dies behauptet Helen Gerber aus Oberbottigen. Sie lebt mit ihren zehn TIeren (zwei Pferde, drei Katzen, zwei Hunden, drei Meerschweinchen) auf einem idyllischen Bauernhof.


Mit Hühnern plaudern

Bei Helen Gerber hat man nicht den Eindruck sie sei im «Oberstübchen» nicht ganz klar. Ganz im Gegenteil. Wenn man mit ihr spricht, ist sie sehr sachlich und «steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden». Helen Gerber: «Ich habe ein Buch von Penelope Smith über telepathische Kommunikation mit Tieren gelesen. Vor einem halben Jahr besuchte ich bei ihr in Kanada einen Work-Shop. Anfangs war ich voller Zweifel. Ich bin kein Mensch, der einfach abhebt. Lieber hinterfrage ich eine Sache einmal mehr als nötig,» Trotzdem wagte Helen Gerber den ersten Schritt. Sie war begeistert als sie in Kanada auf einem Hühnerhof, das erste Mal «hörte», was ihr ein Huhn zu sagen hatte.

 

Gedankenübertragung

 

Was genau können wir uns unter «Telepathie mit TIeren» vorstellen? Helen Gerber: «Auf der Basis der Gedankenübertragung weiss, höre und spüre ich, was ein Tier fühlt oder denkt. Manchmal tauchen die Gedanken
in Form von Bildern auf. Ich muss mit dem Tier nicht direkt in Kontakt stehen, um mit ihm zu kommunizieren. Dazu benötige ich vom Tierhalter ein Bild des Tieres sowie einen kurzen Begleittext.»

Klingt einfach. Aber wie genau offenbaren sich die Tiere dem Menschen? «Es ist ganz verschieden. Nicht alle Menschen nehmen die Tiere auf dieselbe Art wahr. So ist es möglich nur die Gefühle zu spüren. Wenn ich einen Druck im Nacken registriere. weiss ich. dass dem Tier in dieser Körpergegend unbehaglich ist. Eine andere Möglichkeit ist die Gedankenübertragung. Ich höre die Gedanken der Tiere. Die Telepathie funktioniert ebenfalls bei Pflanzen und Bäumen.» Die Tierfreundin schildert folgende Situation: «Sie möchten einen Bekannten anrufen. Kaum haben sie an diese Person gedacht und greifen zum Telefonhörer, ruft Sie diese Person an. Das ist
ebenfalls eine Art von Telepathie. Jedes Lebewesen hat diese Energie in sich. Und das Schöne daran man kann Telepathie schulen.»
Schulen? Aber wie? Helen Gerber versucht ihre Methode bildlich darzustellen: «Wir Menschen haben die Fähigkeit, viele Dinge gleichzeitig wahrzunehmen: fernsehen, essen, plaudern und noch hören, dass jemand
vors Haus fährt. In der Telepathie versuchen wir den Tonsalat, den Wir auf unseren «Radiospuren» haben, auszuschalten. Das «Radio» also nur auf einenSender einzustellen, sich auf das Tier zu konzentrieren und das Herz zu öffnen. Ich stelle mir immer eine Türe vor, die ich weit öffne.» Das klappt unter Umständen nicht auf Anhieb - Übung macht den Meister. Folgendes ist zu beachten: es kommt auch auf die Ernsthaftigkeit  und Bereitschaft an, ob man dem Tier wirklich zuhören will.

Was erzählen die Tiere?

Neugierig geworden? Was um alles in der Welt haben Tiere so alles zu berichten? «Sehr viel. Es gibt Tiere, die sind schon glücklich, dass mit ihnen gesprochen wird. Sie sagen zum Beispiel: Mir geht es gut. Ich fühle
mich wohl, dort wo ich zu Hause bin. Ich habe die Person, bei der ich lebe, sehr gern ,und ich fühle mich geliebt. Viele Tiere sagen, dass sie gerne mehr zu essen wollen. Das liegt im Interesse der Natur, genügend Nahrung zu sich zu nehmen. Wir essen ja auch gern ein bisschen mehr als uns gut tun würde ... Oder es gibt Tiere, die genau sagen können, was ihnen fehlt. Ich habe einmal einen Hund gefragt, wie ich meine telepathischen Fähigkeiten verbessern könne. Er antwortete mir jovial: üben, üben»

Sein oder Schein?


Das hört sich witzig an. Aber ist die ganze Sache auch überprüfbar? Helen Gerber: «Über ein fremdes Tier kann ich nicht alles wissen. Die Tiere verraten mir manchmal Sachen, welche nur ihre Besitzer wissen können. Am schönsten ist aber, wenn nach einem Gespräch tatsächlich Verhaltensänderungen eintreten.»

Vroni Santos aus Worblaufenhat ein Problem mit ihrem Wallach Neptun - Kosename Bambi: «Bambi ist ein sehr liebes und umgängliches Pferd. Er hat aber eine grosse Macke. Meist, wenn ich ihn ausreite, vollzieht
er aus heiterem Himmel «Bocksprünge», Vorein paar Monaten ist mir dieser Tick zum Verhängnis geworden. Ich stürzte und erlitt einen Schädelbruch. Obwohl mir «Bambi) sehr ans Herz gewachsen ist, kann ich mir den Luxus nicht leisten, ihn nur durchzufüttern. Daher zog ich in Betracht, ihn zu verkaufen), meint die entmutigte Pferdehalterin (56).
Der BERNER BÄR leitete das Anliegen von Vroni Santos an Helen Gerber weiter. Sie nahm anband einer Fotografie telepathischen Kontakt mit dem Pferd auf: «Bambi wusste bereits, dass ich mit ihm sprechen will. Er erklärte mir, dass ihn Vroni bereits informiert hat. Er bezeichnet Vroni als seine Gefährtin. Als ich ihn auf seine Bocksprünge angesprochen und ihm klargemacht habe, dass Vroni im Begriff ist, ihn zu verkaufen, war er sehr' erstaunt. Es hat sich herausgestellt, dass Bambi einen kurzen Rücken hat und sich schnell verkrampft. Als der Wallach zugeritten wurde, hat man darauf keine Rücksicht genommen. Durch die Bocksprünge hat er versucht, seinen Rücken zu entspannen. Diese «Unart» hat er bis heute beibehalten. Das Problem ist ihm erst jetzt bewusst geworden und es wird sich zeigen, ob er sich bessert» Eine Woche später. Der BERNER BÄR
wollte von der Pferdehalterin wissen, ob sie immer noch Probleme mit «Bambi» hat. Vroni Santos: «Seit Helen Gerber mit Bambi gesprochen hat, habe ich ihn zweimal ausgeritten und er bockte kein einziges Mal. Ich glaubte sogar zu spüren, dass er sich Mühe gab. Nun muss ich mein Vertrauen zu Bambi wieder aufbauen. Nachdem ich schon so viel versucht habe, bin ich wieder voller Zuversicht»


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